foamsuit#1

foamsuit#1

Der foamsuit#1 entstand als Vorstudie zum „AcouSuit“, den ich für das SPOR Festival 2017 entwerfe: ein Anzug, das durch eine spezielle Oberflächenstruktur, die Umgebungsakustik des Trägers, seinen klanglichen Präferenzen entsprechend, verändern soll. Ein Kleidungsstück, dass sowohl optisch, als auch – erstmals überhaupt – akustisch auf seine Umgebung wirken soll.

Für diesen Zweck wählte ich Polyurethanschaumstoff als Material. Er ist leicht, elastisch, wärme- und schallisolierend, günstig und strapazierfähig. Farbe, Form und Konsistenz erinnern an Fettschwarten oder Gewebeschichten. Die gleichmäßige Steifheit des Materials lässt alle Rundungen, die durch Fallen oder Biegen entstehen, sanft und organisch aussehen. Es gibt keine Knicke, nur Kurven.

Ich besorgte Schaumstoffteile verschiedenster Größen, spielte mit Schnürungen an verschiedenen Stellen und verband die Einzelteile untereinander mit Hilfe von Klebstoff und Bindfaden um mich mit dem Material vertraut zu machen. Am Ende des Tages war der foamsuit#1 geschaffen.

foamsuit#1

Ein breiter Flügel aus elastischem, crèmefarbenen Material bildet das Hauptstück des Anzugs, das, über den Kopf gezogen, auf den Schultern aufliegend, unter beide Arme führt und über den Handgelenken in Manschetten abschließt. In beiden Armteilen liegen Unterarmstulpen, die in ihrer Form etwa an Muscheln erinnern. Die Schultern sind mit breiten, weißen Epauletten verziert und erinnern an eine Rüstung, aus weichem, aber schützenden Material. Die Oberarme des Trägers liegen frei.

Den Brustteil bildet eine Art Ziehharmonika aus drei identischen, weißen Flügeln mit rosa Rechtecken als Spitzen. Sie ist so konstruiert, dass sie sich dynamisch den Bewegungen des Trägers anpasst, wobei sie wie ein grobes Zahn- und Mahlwerk eines Schalentiers wirken.

Am Nacken des Anzugs sitzt eine breite, weiße Krempe. Ihre drei großen, floral anmutenden Wölbungen zieren den oberen Rücken und werden zu einer Art Pfauenrad, das hinter den Kopf des Trägers klappt, wenn Arme und Schulter n entsprechend hochgezogen werden.

Ein einteiliger, sich überlappender, crèmefarbener Lappen bildet den Rückenteil. Zweifach gebunden mutet es der Rückenschleife eines Kimonos oder dem Hinterteil eines Vogels an. Er wird mir Hilfe von Fäden unter den Hauptflügel des Anzugs geschnürt.

IMG_8295Ein barock anmutender Schal bildet den letzten Teil des Anzugs. Er besteht aus einem langen Stück, das auf beiden Seiten aufgerollt ist, und dort, wo es sich kreuzt mit einer rosafarbenen, floralen Brosche geziert ist.

Während das Material des foamsuit#1 homogen ist (zwei Materialen: Schaumstoff und Bindfaden), weckt er vielfache Assoziationen. Fleischfarben, vogelartig, Schalentiere, Fettschwarten, Gewebeschichten fusionieren zu einem altertümlich festlichen, fernöstlich martialischen Kleidungsstück aus moderneren, unkonventionellen Materialien, das zusätzlich funktional ist, wenn die Halskrause sich anhebt und zu einem archaischen Balz- und Territorialkampfritual provoziert.